
Eigen-PR? - Oder warum reiste Guttenberg mit Ehefrau und Johannes B. Kerner nach Afghanistan?
Der Afghanistan-Besuch von Verteidigungsminister zu Guttenberg initiierte eine Suche bei infonitorNews nach dem Stichwort Afghanistan in Verbindung mit Guttenberg oder Kerner. Die Nennungspräsenz von Kerner bleibt im Endergebnis weit abgeschlagen hinter Guttenberg zurück.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte am Montag erstmals zusammen mit seiner Ehefrau Stephanie die deutschen Truppen in Afghanistan besucht. Er wurde von Fernsehmoderator Johannes B. Kerner begleitet, der mit Guttenberg im nordafghanischen Bundeswehr-Camp Masar-i-Scharif die Sat.1-Talksendung „Kerner“ aufzeichnete.
Die Reise sei „auf ausdrücklichen Wunsch“ der Ministergattin zustande gekommen, berichtet ein Sprecher des Verteidigungsministers. Ihr sei es als Gattin des Inhabers der Befehls- und Kommandogewalt und Mutter wichtig, Solidarität zu zeigen. Stephanie zu Guttenberg komme es vor allem darauf an, mit den Soldaten vor Ort in Kontakt zu kommen.
Im Bundestag löste diese Form der Ministerreise weithin Befremden aus. Es sei ja gut, dass Guttenberg regelmäßig nach Afghanistan fliege und so die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Arbeit der Bundeswehr lenke, hieß es. Aber ein Trip mit Ehefrau und Boulevard-Talker drifte doch sehr stark in Richtung Selbstinszenierung.
Aus der Opposition hagelte es massive Kritik: SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte das Programm „absolut unangemessen“. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hielt Guttenberg vor, er mache sich „immer mehr zum Staatsschauspieler“ (Hamburger Abendblatt). SPD-Fraktionsmanager Thomas Oppermann sagte „Taliban und Talkshows passen nicht zusammen.“ Grünen-Chefin Claudia Roth hielt Guttenberg vor (Hamburger Abendblatt), die vorweihnachtliche Kulisse in den deutschen Feldlagern in Masar-i- Scharif und Kundus „für plumpe Eigen-PR“ zu nutzen. Und auch Linken-Fraktionschef Gregor Gysi äußerte sich (Berliner „Tagesspiegel“): „Afghanistan ist das letzte Land, dass sich für Showbusiness und Entertainment eignet. Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshowtross verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig.“
Der Präsenzverlauf zeigt für den heutigen Tag mit 678 Artikeln die meiste Berichterstattung zum relevanten Thema.

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